Fragen! Und antworten…

Frage: Warum ist die Rolle der Frau bei der Infrastrukturplanung so spannend?

Frauen legen andere Wege als Männer zurück. Das ist gesellschaftlich bedingt. Wenn wir die Straßengestaltung so einrichten wie zum Beispiel in Kopenhagen, dann werden mehr Frauen als Männer das Rad benutzen. Kürzere Wege, verquickte Wegeketten, Kinderverantwortung und Gepäcktransportieren brauchen komfortable Radwege und Vernetzungen. Die andere Sache ist dann natürlich auch, dass politische und technische Entscheidungen über den Straßenraum in der Zukunft vermehrt von Frauen geführt werden müssen. Wir haben noch viel zu tun sowohl in der Überzeugungsarbeit für die Sache ansich, als auch im echten Umbau in unseren Städten.

 

Frage: Was für Unterschiede gibt es in Großbritannien und Deutschland bezüglich der Mobilitätsplanung?

Also, die Briten haben nie richtige Radwege gebaut. Das muss nun erlernt werden, und London fängt als Vorreiter ja auch nun so langsam an damit. Deutschland baut leider Radwege zurück, und unsere Ingenieure und Planer müssen lernen, dass Radwege an Hauptstraßen ein Muss sind, wenn das Radfahren als wirkliche Alternative zum Auto gesellschaftlich aufgestellen werden soll. Es ist sehr spannend, sich die Gegensätze der beiden Länder anzuschauen und darüber nachzudenken, warum dies alles gerade jetzt passiert. In Deutschland  war der Radentscheid in Berlin massgebend, die Debatte anzukurbeln um die Vorfahrt und Fortschritte fürs Fahrrad zu verlangen.

 

Frage: Was war der Ausschlag, sich mit diesem Thema so intensiv auseinander zu setzen?

Ja, das ist eine persönliche Frage. Denn ich war in Newcastle sehr persönlich betroffen. Das Radfahren auf 50 kmh Stadtstraßen machte, und macht, das Vorankommen schwer. Verständlicherweise fahren viele nicht Rad. Ich weiß aber, dass Radfahren eine echt gute Sache ist, Klimaschutz, Volksgesundheit usw, die Liste ist ja nahezu endlos. So fing ich dann an, mich mit dem Thema detailliert auseinanderzusetzen: Warum bewegt sich nichts? Und was können wir machen? Ich, als Frau, als Bauingenieurin, als Ausländerin mit persönlichen Erfahrungen im Radfahrbereich.

 

Frage: Was frustriert einen am Meisten, wenn es um die tägliche Auseinandersetzung im Bereich gerechte Verteilung im öffentlichen Raum geht?

Die Nichtwahrnehmung des städtischen Raumes macht mich ganz kirre. Die Blindheit, die wir als Menschen haben, gegenüber der Straßengestaltung. Den öffentlichen Raum in Betracht zu ziehen wenn wir miteinander in der Stadt agieren. Das fängt beim einzelnen an, und da kann das Versagen auch noch entschuldigt werden meiner Meinung nach. Aber die Absage geht bei den Entscheidungsträgern weiter. Das Aufwachen im Stadtraum ist nun angesagt. Der warnende Alarm ist angeschlagen, Luftverdreckung, Lärm, Verunmenschlichung. Der Wecker klingelt schallend. Da muss nun die Politik ran und die Ingenieure und Planer einzuweisen.

 

Frage: Was motiviert einen, an dem Thema dranzubleiben?

Motivation ist so eine Sache. Das ist nicht immer ganz einfach. Ich schöpfe Energie daraus, mich mit Gleichgesinnten zu treffen und Aktion zu machen. Zu planen, Dinge zu überdenken. Mich für etwas einzusetzen, was mir ungeheuer wichtig ist, macht auch Kraft. Klare Vorstellungen, klare Zielsetzungen sind unabdingbar für den Erfolg der Sache und die persönliche Zufriedenstellung. Ja, so kann es Spaß machen! Es ist aber nicht immer ein Zuckerschlecken.

 

Frage: Welche Beispiele dienen als Vorbild für gelungene Infrastruktur?

Das ist so eine Frage, die ich nicht im leeren Raum stehen lassen möchte. Vor allem ist eine Flächenplanung notwendig. Mal hier und da was gutes bauen, so geht es nicht im Verkehrswesen. Es geht ja nicht um Stillstand am Orte, es geht vor allem um Fortbewegung. Gelungene Dinge sind immer die, die gut durchdacht und geplant wurden. Gestaltung, die nicht nur gebaut, aber auch evaluiert und nachgebessert wird. Die Entwicklung in London ist interessant – angeblich werden da ja Wegestrecken und -netze gebaut. Mal sehen wie es in den nächsten Jahren dort weiterläuft. Im letzten Jahr, also nach dem Bürgermeisterwechsel, war auf jeden Fall große Flaute. Die USA macht sich ja durchaus auch stark in der Forschung für Radverkehrsanlagen und ihre Benutzung – angestoßen durch gut organisierte Interessengruppen. Ansonsten, na klar, Städte in den Niederlanden und die Stadt Kopenhagen sollten schon unsere Vorbilder sein und sind wegweisend für unsere Zukunft.

 

Frage: Ist nach der Doktorarbeit für Sie Schluss mit dem Thema?

Ich muss mal schauen, wo es micht so hintreibt. Was mich wirklich zutiefst interessiert und bewegt, sind die Soziologie, die Politikwissenschaften und die Sozialpsychologie.  Da brachen Welten auf, als ich anfing diese Gebiete zu bearbeiten als Teil meiner Doktorarbeit. Was da gewusst und geforscht wird, hat mich als Diplomingenieurin stark beeindruckt. Mal sehen, was aus diesem erweckten Interesse wird. In 2018 muss ich aber erstmal an den Schreibtisch – zur akribischen Datenauswertung und die Diss schreiben, schreiben, schreiben.

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