Mein Messeweg und der ADFC

Nach zwei Monaten in Deutschland, bin ich nun wieder heil in Newcastle angekommen. Eine Geschichte lässt mich aber einfach nicht los. Und das ist die des Messeweges. Das ist auch in Anlehnung an ein kleines Essay, das ich schrieb als ich in Braunschweig war. Es handelt davon, dass wir Hintergründe mehr erfragen müssen, wenn wir als Aktivisten (und Politiker) uns zu Radverkehrsanlagen äußern https://katsdekker.wordpress.com/2016/08/08/einrichtung-von-radverkehrsanlagen-ist-situationsbedingt/

Stadtstraße Nord

Der ursprüngliche Hintergrund zu dem Essay war, dass es mir unheimlich war, wie sich der lokale ADFC zu der Erschließung der Braunschweiger Nordstadt geäußert hatte. Es schien ein weiterer Fall von undifferenzierter Radwegephobie zu sein, den ich mittlerweile kleckerweise auch in anderen Städten von Deutschland beobachtet habe. Wenn ich da weiter spinne, dann geht es wohl um etwaige Ungleichgewichtigkeiten in der Aktivistenszene. Wir brauchen mehr Normalradfahrer und weniger Schnellradfahrer im Interessenverein, um somit ein Gleichgewicht in der Interessenvertretung zu gewährleisten. Natürlich geht es vor allem und letztendlich darum, die Allgemeinheit, die breite Masse, zu vertreten und nicht nur vereinzelte Sonderinteressen geltend zu machen. Kommentare von dem Bebbi gaben more schon letztes Jahr Einsicht in das Problem. Was ich meine? Hier weiterlesen.

Das Projekt Nordstadt ist die (langjährige) Planung und Gestaltung eines innerstädtischen Neubaugebietes in Braunschweig. Die Nordstadt fängt nahezu bei Null an. Sie ist ein Traum für Ingenieure und Planer. Mit soviel Freiraum für Gestaltung, schien es mir schon schleierhaft wie der ADFC Radwege entlang einer Hauptstraße in einem völlig neu konzipierten Stadtteil ablehnen konnte. Die Straße ist auch leidlich als eine Durchgangsstraße konzipiert worden (entlang einer ehemals geplanten Tangentenstrecke, die glücklicherweise nie realisiert wurde). Städtebaulich wäre eine Erschließungsstraße angemessen gewesen.

Aber so war es denn wohl: Der ADFC wehrte sich gegen Radwege, und kommentiert  Pläne, die einen baulich getrennten Radweg vorsahen mit:

„Insbesondere stellt sich uns die Frage, warum in keiner der Varianten eine Führung des Radverkehrs auf der Straße vorgesehen ist, bspw. in Form eines Schutzstreifens.“

Jedoch ist der ADFC ein Interessenverband mit Verantwortung, und die Politik und Verwaltung hören schon mal zu, wenn der ADFC sich äußert. Allerdings hatte der ADFC scheinbar wohl wenig strategischen Druck gemacht in Sachen Nordstadt – die vollständige Abwesenheit von Hinweisen zu Straßentypen (die ja dann durch Faktoren wie Verkehrsaufkommen und Geschwindigkeiten usw die weitere Infrastruktur bestimmen) hat mich schon erstaunt. Deswegen schrieb ich halt das kleine Essay (wie oben erwähnt). Mehr über den Hintergrund zu der Stadtstraße Nord ist in den Links zusammengebracht. Der ADFC handelte da scheinbar sehr naiv in den strategischen und technischen Angelegenheiten (oder sehr unnachsichtig den Bedürfnissen von RadfahrerInnen gegenüber), wohingegen der BUND einen größeren Weitblick zeigte und die Sache auch historisch gut erleuchten konnte.

Amtsvorlage Fachbereich 66 Beschluß html

ADFC Braunschweig Stellungnahme pdf

BUND Braunschweig Artikel in der Umweltzeitung pdf

Politisch war es dann schwierig, jedwege Änderung zu erwirken, da die Sache so und so schon viel Schwung hatte aber auch weil die Mehrheit bei den etablierten Parteien lag, die einfach (wie jeher) technokratisch handelten und sich mit der Verwaltung vereinigten. Der ADFC hat da, so scheint mir, noch Arbeit zuleisten, politisch – und sollte darüber die technische Betreuung auch nicht vernachlässigen. Diese (ehrenamtliche) Arbeit kann auch spannend sein und eine langsame Zuwendung in diese Richtung wäre schon toll.

Messeweg

So, nun aber zum Messeweg. Er macht mir wirkliche große Sorgen. Wie so viele Straßen in Braunschweig ist auch der Messeweg in seiner Funktion wenig deutlich herausgearbeitet. Der Messeweg ist somit irgendwie eine Durchgangsstraße und soll demnächst wieder Schwerlastverkehr aufnehmen. Außerdem soll er saniert werden (wegen des ‘schlechten’  baulichen Zustandes ist der Schwerlastverkehr gerade nicht erlaubt, und ich bin mir sicher, das ist auch zum Wohlbefinden der Anwohner).

Bis vor kurzem hatte der Messeweg noch einen Radweg auf der östlichen Seite, und einen (zu schmalen) Fuß- und Radweg auf der westlichen Seite. Das sollte nun bald anders werden.

Die Verkehrsituation ist eine von circa 16,000 Kfz pro Tag. Wobei nur eine Verkehrsdichte von maximal 5,000 Kfz pro Tag eine vernünftige Mischung mit Radverkehr glimpflich zusagt. Trotzdem soll nun die Verkehrsfläche von 7.5 Meter in 5 Meter Fahrbahn und 1,25 Meter beidseitigen Schutzstreifen aufgeteilt werden. Radfahren und Autofahren wird also durch eine weisse Linie getrennt. Da ist kein Schutz. Wir haben dann auch wieder Schwerlastverkehr, und so und so sind da Busse wie auch sonst auf der Strecke. Ich mach mir schwere Sorgen.

Der ADFC hat den Radstreifen zugestimmt.

Die Gestaltung ist eine grobe Vernachlässigung von Sicherheitsprinzipien seitens der Verwaltung. Und Schade auch, dass sich der ADFC nicht weitergehend und tiefgreifender äußern konnte. Die Bauarbeiten sind nun schwer im gange. Also ist das einzige was ich nun noch vorschlagen kann das Folgende. Dass die Stadt Braunschweig mal nachschaut und evaluiert, und, dass der ADFC nachhakt und sicherstellt, dass ein Check-up auch stattfindet:

  • Wie verhält sich der Radverkehr?
  • Nimmt er ab oder zu?
  • Wo fahren Leute, auf dem Fußweg oder auf der Straße?

Fotos eingestellt am 14 April 2017: Zwischen den schwarzen Streifen liegt der Raum der mal Radweg war (1.50m), der nun der Fahrfläche zugeordnet wurde. Da dort in der Zukunft dann dicke Busse und Laster langgefahren werden, ist Farbe nicht genug Schutz und schon gar nicht bequem oder komfortabel für den Radverkehr. Braunschweig, was denkst du dir nur!

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3 thoughts on “Mein Messeweg und der ADFC

  1. Volle Zustimmung. Es ist übrigens nicht nur zu erwarten, dass die Schutzstreifen jeweils nur 1,25m breit sein werden, sondern auch dass die 1,25m die Gosse mit einschließen. Wir werden dort also so etwas bekommen wie im Mittelweg, der ja auch eine absolute Katastrophe ist. Welches Tempolimit herrscht eigentlich im Messeweg? Und nochwas: Hast Du eine Quelle dafür, dass der ADFC der Messeweg-Gestaltung zugestimmt hat?

    In Deiner Liste unten fehlt übrigens noch “Welche Altersgruppen fahren? Wo fahren sie?”

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    1. Tempolimit ist glaube ich 50kmh. Ich hatte das aus dem Artikel rausgelassen, da das Verkehrsvolumen allein schon einen besseren Schutz von RadfahrerInnen hervorbringen sollte.

      Betreffs ADFC Zustimmung: Da ist leider keine offizielle Quelle auf die ich verweisen kann. Der ADFC scheint diese Dinge nicht richtig öffentlich zu machen. Das könnte sich wohl verbessern. Auch ein Twitter account wäre schön usw. Somit berufe ich mich einfach auf Gespräche mit Anwohnern.

      In Hinsicht auf Evaluation. Genau! Die sollte eigentlich so durchgeführt werden, wie z.B. das Green Lanes Projekt in den USA das macht, siehe Anlage A http://trec.pdx.edu/research/project/583

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